Mach dich schlau

Der Erfolg von Projekten hängt selten allein an der Umsetzung. Die Umstände drumherum spielen genauso eine Rolle. Wer die kennt und für sich nutzt, ist klar im Vorteil. Der Unterschied zwischen jemandem, der umsetzt, und jemandem, der aktiv mitgestaltet, fängt hier an.

Viele starten ein Projekt so: Aufgabe kommt rein, kurzes Briefing, los geht’s. Keine Fragen, kein Nachbohren, einfach anfangen. Klingt effizient. Ist es aber nicht. Denn irgendwann, meistens genau dann, wenn du denkst, es läuft, taucht plötzlich etwas auf. Ein Fettnäpfchen das jeder kannte außer dir. Ein halb gescheitertes Projekt aus dem letzten Jahr, das genauso aussah wie deins. Eine Person im Raum, die schon beim ersten Meeting die Arme verschränkt hat und du nicht weißt warum.

Und plötzlich ist aus einem klaren Projekt ein Endlos-Projekt geworden. Die neue Kampagne für Produkt X? Liegt seit 18 Monaten auf Eis. Niemand schließt es ab. Niemand will es anfassen. Es schwirrt unterschwellig durch das Unternehmen mit dem kollektiven Gefühl: „Da müssten wir eigentlich mal ran.“

Frustrierend für dich. Frustrierend für deinen Chef. Frustrierend für alle. Jeder kennt es. Nervt.

Hier kommst du ins Spiel. Denn du hast die Chance, das bei zukünftigen Projekten zu ändern. Und das kostet dich beim Projektstart oft nicht mehr als eine Stunde. Das Stichwort hier heißt Kontext. Wer darauf eingeht, bevor alle anderen anfangen zu arbeiten, positioniert sich sofort anders. Nicht als reine ausführende Person, sondern als jemand der mitdenkt.

Jetzt denkst du vielleicht: „Okay, aber wenn wir ein neues Projekt starten, gibt es doch noch gar keine Infos.“ Immer ruhig bleiben. Darum geht es nicht. Es geht nicht um Projektdetails. Es geht um Kontext. Und den gibt es immer.

Lerne aus dem, was war.

Bevor du anfängst: Was lief bisher zu diesem Thema? Welche Projekte gab es schon? Was hat funktioniert und was nicht, und warum? Wer hat es versucht und ist gegen die Wand gefahren?

Beispiel: Stell dir vor, du entwickelst im Zuge einer Kampagne eine Rabattaktion für Bestandskunden. Solide Idee. Was du aber nicht weißt: Vor zwei Jahren gab es eine ähnliche Aktion und der Vertrieb hat sich monatelang über die Auswirkungen auf die Margen beschwert. Das Thema ist noch nicht vergessen. Das heißt nicht, das eine Rabattaktion nicht funktioniert, aber ggf. musst du sie anderes verpacken und das Offensichtliche ansprechen, um alle Beteiligten abzuholen.

Sprich mit Kollegen. Schau in alte Unterlagen. Frag nach. Die meisten tun das nicht. Entweder weil sie denken, es spielt keine Rolle, oder weil sie Angst haben unwissend zu wirken. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Wer fragt, zeigt, dass er verstehen will, bevor er handelt. Das fällt auf. Positiv.

Frag dich: Was weiß ich über ähnliche Projekte und wen kann ich fragen, der mehr weiß als ich?

Ließ zwischen den Zeilen.

Jedes Projekt hat eine offizielle Liste von Beteiligten und eine inoffizielle. Wer hat wirklich Einfluss, auch ohne Titel? Wer ist skeptisch, sagt aber nichts? Welche Empfindlichkeiten gibt es?

Beispiel: Du präsentierst gerade eine Idee und ein Abteilungsleiter sitzt mit im Projekt-Kickoff. Er wirkt desinteressiert. Was du nicht weißt: Er wurde nicht gefragt, ob er das Projekt überhaupt für sinnvoll hält. Er wurde einfach eingeladen. Wenn du ihn vorher kurz abgeholt hättest, hättest du jetzt einen Verbündeten statt eines Miesepeters.

Du musst nicht jedem nach der Nase reden, aber es hilft, zu wissen, wo Feingefühl und emotionale Intelligenz angebracht sind.

Frag dich: Wer sitzt warum am Tisch und was bewegt die Personen? (Auch wenn sie es nicht aussprechen)

Nenn das Kind beim Namen.

Was passiert gerade im Unternehmen? In der Branche? Gibt es Druck von oben, den du nicht siehst? Eine Entscheidung die noch aussteht? Ein Thema, das alle beschäftigt aber niemand ausspricht?

Beispiel: Du arbeitest an einer Employer-Branding-Kampagne. Viel Energie, gutes Konzept. Was du nicht weißt: Das Unternehmen steht kurz vor einer Umstrukturierung und es wird intern über Stellenabbau gesprochen. Niemand sagt es laut. Aber eine Recruiting-Kampagne in diesem Moment ist intern schwer zu verkaufen.

Projekte existieren nie im Vakuum. Manchmal gibt es eine richtig gute Idee, die aber gerade einfach nicht funktionieren kann, weil ein anderes Thema im Raum steht, das zuerst gelöst werden muss. Wer das weiß, spart sich eine Menge Frust. Mach dir eine Notiz und bring die Idee beim nächsten Mal wieder raus.

Frag dich: Was passiert gerade im Unternehmen, das nichts mit meinem Projekt zu tun hat, aber alles damit zu tun haben könnte?

Einfach mal kurz schlaumachen.

Ausführende warten auf die Aufgabe. Dann fangen sie an. Wer führen will, ohne Titel, ohne formale Macht, fängt früher an. Nicht mit der Arbeit, sondern mit dem Verstehen. Wer kommt vorbereitet ins erste Meeting? Wer stellt die Fragen, die andere nicht stellen? Wer hat sich Gedanken gemacht bevor der erste Satz gesagt wird? Das bist du, wenn du dir vorher die Mühe machst.

Kontext verstehen ist Arbeit. Und es ist die Arbeit, die die wenigsten machen, weshalb sie so viel wert ist. Wer sich damit beschäftigt, fällt auf. Wer auffällt, wird gefragt. Und wer gefragt wird, gestaltet mit.

Mach dich schlau. Bevor du anfängst.

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Tobi Neutzling